Papst Franziskus hat am Wochenende in Assisi die Enzyklika „Fratelli tutti“ unterzeichnet:

Hier findet sich der gesamte Text: http://www.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20201003_enciclica-fratelli-tutti.html

Und hier ein „Best of“: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2020-10/fratelli-tutti-papst-franziskus-zitate-enzyklika-sozial-politik.html 

Benannt nach einem Schreiben des Hl. Franz von Assisi hat der Titel für Fragen gesorgt: Was ist mit den Schwestern? Der Franziskusforscher und Franziskaner Niklaus Kuster klärt diese Frage ausführlich unter https://www.osservatoreromano.va/de/news/2020-09/wir-geschwister-alle.html

Er kommt zum Fazit:

Papst Franziskus verweist mit den Eingangsworten seiner dritten Enzyklika ausdrücklich auf Franz von Assisi. Sein Vorbild steht für eine universale Geschwisterlichkeit, die sich im Sonnengesang auf alle Menschen und alle Geschöpfe weitet. Unter den Rundschreiben des Heiligen findet sich eines, das sich universal an alle Menschen auf Erden wendet. Selbst die Ordensregel von 1221, die für franziskanische Brüder verfasst ist, wendet sich mit einer Einladung an alle Menschen und Völker. Die vom Papst zitierte sechste Admonitio verdichtet vom Entstehungskontext her eine Erkenntnis aus einem spirituellen Gespräch im Kreis der Minderbrüder. Der spirituelle Impuls, der die Eröffnung der neuen Enzyklika inspiriert, wird jedoch von Franziskus gegen Ende seines Lebens wie eine Säule ins «Haus der Weisheit» eingefügt, deren Säulenkapitelle zu Bildszenen ausgestaltet sind und miteinander korrespondieren. Zum Gang durch dieses spirituelle Gebäude sind nicht nur Brüder geladen, sondern alle Glaubenden und alle Menschen auf Erden. Die «omnes fratres» der Originalquelle und «fratelli tutti» der Enzyklika sind daher als Zitat des heiligen Franziskus so zu übersetzen, dass sich Christinnen und Christen insgesamt angesprochen fühlen. Der Adressat der zitieren Textsammlung weitet sich über «alle Geschwister», die in realen und in ideellen Kirchenräumen anzutreffen sind. In dieser Offenheit richtet sich auch Papst Franziskus mit seinem Rundschreiben an alle Menschen auf der Erde.

Dr. Benedikt J. Michal